Interview zur Kommunalwahl mit Vizelandrat Dr. Rainer Wallmann

Erkläre bitte kurz, was du in der Kreisverwaltung machst.

Ich bin Erster Kreisbeigeordneter des Werra-Meißner-Kreises und als Dezernent für die Bereiche Umwelt, Bauen, Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz, Veterinärwesen sowie Tourismus zuständig.

 Was ist dein größter persönlicher Erfolg in deiner bisherigen Amtszeit?

Die Summe der vielen Einzelheiten ist der größte Erfolg! Neben den allgemeinen Verwaltungsaufgaben konnte ich in den knapp 9 Jahren meiner Amtszeit – gemeinsam mit vielen beteiligten Menschen einige modellhafte Projekte mit Vorbildcharakter entwickeln und in die Umsetzung bringen. Dabei sind insbesondere die Modellvorhaben „Quartierssanierung Werra-Meißner“ und „Holzige Biomasse“, aber auch die „Ökolandbau-Modellregion“, das jährlich stattfindende „Klimaschutzforum“ sowie viele weitere innovative Projekte mit großer Wirkung zu nennen. 

 Wie ist Deine Einschätzung zum Ausgang der Kommunalwahl?

Wir haben uns als GRÜNE Kreistagsfraktion mit einer engagierten und zukunftsorientierten Politik für die Menschen im Werra-Meißner-Kreis eingesetzt und konnten dabei viele richtungsweisende Akzente setzen. Ich konnte darüber hinaus in meiner Zuständigkeit zahlreiche wichtige Impulse geben und gute Entwicklungen anschieben. Dies ist in unserem Wahlprogramm ausführlich dokumentiert. Von daher bin ich sicher, dass wir bei der Kommunalwahl mit unserem sehr engagierten Team ein super Ergebnis erreichen und in den nächsten Jahren weiterhin Verantwortung in der Kreisverwaltung übernehmen werden. 

Ich will mich an dieser Stelle aber auch ganz ausdrücklich bei allen Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung und insbesondere auch bei Landrat Stefan Reuß für die sehr gute Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken und freue mich auf eine erfolgreiche Fortsetzung.

 Wie begegnest du dem Vorwurf, dass beim Klimaschutz alles viel zu langsam voran geht?

Da sage ich laut „Ja!“. Es geht beim Klimaschutz viel zu langsam – und zwar weltweit! In keinem anderen Bereich ist die Spanne zwischen der gesicherten wissenschaftlichen Kenntnis und den daraus resultierenden Konsequenzen durch Politik und Gesellschaft größer. Zukünftige Generationen werden unsere Trägheit beim Klimaschutz im wahrsten Sinne des Wortes „ausbaden“ und werden uns zu Recht anklagen und fragen, warum wir nicht früher reagiert haben.

Aber es ist noch nicht zu spät! Die Aktivitäten von „fridays for future“ geben mir Hoffnung, dass wir den dringend erforderlichen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft schaffen können. Gemeinsam können wir die erforderlichen Klimaschutzziele noch erreichen. Dafür braucht es einerseits konsequente politische Rahmenbedingungen – im Kreis, im Land, im Bund, in Europa und weltweit! Aber wir alle können in unserem persönlichen Bereich auch sehr viel bewirken und damit wichtige Beiträge für eine nachhaltige Ausrichtung unserer Gesellschaft leisten.

 Was macht den Werra-Meißner-Kreis in deinen Augen liebens- und lebenswert?

Die unwahrscheinlich schöne und abwechslungsreiche Landschaft, die liebenswerten Menschen und die tollen regionalen Produkte, die hier erzeugt und angeboten werden. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass es mit zunehmender Digitalisierung bald eine Umkehr der so genannten „Landflucht“ geben wird, wodurch die Nachfrage nach Wohn- und Lebensraum in unserem Kreis deutlich steigen wird.

 Was können wir als Gesellschaft aus der Corona-Zeit lernen?        

Die Corona-Pandemie zeigt uns, wie groß unsere Freiheit war und hoffentlich auch bald wieder sein wird. Sie zeigt uns auch, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist und dass wir solche Krisen nur gemeinsam bewältigen können.
 Die zunehmende Klimakrise wird zukünftig weitere Einschränkungen und Beeinträchtigungen unseres Lebens bringen, wenn wir nicht aufwachen und im Sinne der „Wahrung der Schöpfung“ endlich beginnen mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen dieser Erde verantwortlich umzugehen und dabei insbesondere auch die Pflanzen- und Tierwelt im Sinne eines ganzheitlichen Natur- und Umweltschutzes behüten.

 Was ist deine Vision vom Werra-Meißner-Kreis im Jahr 2026?

Ich wünsche mir, dass wir in den nächsten Jahren gemeinsam einen gesellschaftlichen Wandel durchmachen, wobei ökologische und soziale Faktoren deutlich stärker als persönliche und kommunale Egoismen gelebt werden. Wenn ganzheitliche und nachhaltige Prinzipien unser Handeln deutlich stärker prägen, haben wir gute Chancen, unseren Kreis und auch das ganze Land zukunftsfähig aufzustellen. Unser Wahlprogramm enthält dazu viele sehr konkrete und umsetzbare Forderungen, u.a. für mehr Klimaschutz, Ökolandbau, Tierwohl, Naturschutz, nachhaltige Mobilität und Abfallvermeidung.

Zur Person

Nach landwirtschaftlicher Ausbildung, Studium zum Diplom-Agraringenieur und Promotion hat Dr. Rainer Wallmann von 1999 bis 2008 als leitender Ingenieur in Witzenhausen Projekte im Bereich Energie- und Umwelttechnik sowie der biologischen Abfallbehandlung umgesetzt. 2008 wurde der heute 56-jährige als Professor an die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Göttingen berufen, wo er das Fachgebiet Nachhaltige Energie- und Umwelttechnik leitete. Dr. Rainer Wallmann war Stadtverordneter in Witzenhausen und Sprecher des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2012 ist er Erster Kreisbeigeordneter und damit Vize-Landrat des Werra-Meißner-Kreises.